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Eva Habison

Ungeheures Glück? Interview mit Prof.Dr.Hubertus Kohle

06. September 2021 | 0 Kommentare

Warum haben Sie sich für den Beruf eines Wissenschaftlers entschieden?

Da gibt es verschiedene Gründe. Erstens ganz praktische: Mein Doktorvater bot mir eine Assistentenstelle an, und da es Schlechteres gibt und ich auch nichts anderes hatte, habe ich dieses Angebot mit Begeisterung angenommen. Wie ich danach (aber auch schon vorher) gelernt habe, gibt es wohl kaum einen Beruf, in dem man so selbstbestimmt arbeiten kann wie in der Wissenschaft. Die Wahl der Themen z.B. ist an der Universität völlig frei. Zwar spielt die Nachfrage eine zunehmend wichtige Rolle, aber wenn man nur will, muss einen das nicht interessieren. Zum jetzigen Zeitpunkt, an dem ich schon dem Ende meiner Tätigkeit an der Universität entgegensehe, kann ich auf jeden Fall sagen, dass ich die Entscheidung in keiner Sekunde bedauert habe. Allerdings muss ich hinzufügen, dass ich bei der Anstellung an der Universität auch ungeheures Glück gehabt habe. Für die jetzt Nachrückenden ist es aufgrund von Stellenreduktionen, vor allem aber dem massiven Anstieg an Bewerber*innen erheblich schwieriger geworden, eine Unikarriere zu realisieren.

Welches Thema interessiert Sie am meisten und warum?

Ich beschäftige mich lange schon mit der politischen Ikonographie in der französischen und deutschen Kunst des 18. bis frühen 20. Jahrhunderts. Für mich ist Kunst immer Teil eines gesellschaftlichen und mentalen Kontextes, und der drückt sich in dieser inzwischen ein wenig an den Rand gerückten Disziplin am besten greifbar aus. Die inzwischen sogenannte „digitale Kunstgeschichte“ habe ich dann erst in den mittleren 1990er Jahren entdeckt. Mir scheint sich in ihr ein bislang noch gar nicht einmal richtig absehbares Entwicklungspotential für das Fach zu verbergen. Abgesehen davon glaube ich, dass Medienwechsel auch an wissenschaftlichen Disziplinen nicht vorbeigehen. Man stelle sich einmal vor, die Kunstgeschichte hätte im späten 19. Jahrhundert den Übergang zur Diaprojektion nicht mitgemacht und würde immer noch mit Reproduktionsgraphien arbeiten!

Was würden Sie in einem Science Blog am liebsten lesen?

Am liebsten würde ich über Entwicklungen in Nachbardisziplinen, aber auch in ganz entfernt liegenden Wissenschaften informiert. Und zwar in knapper und auch für Nicht-Fachleute informativer Weise. Ebenso könnte ich mir vorstellen, dass Wisenschaftler*innen in so einem Blog Probleme und Perspektiven ihrer eigenen Disziplin bzw. ihres eigenen wissenschaftlichen Tun präsentieren.

Biographie:

Prof.Dr.Hubertus Kohle
Institut für Kunstgeschichte
LMU München
Zentnerstr. 31
D – 80798 München
Tel.: 08921805314
Fax: 08921805316
hubertus.kohle@lmu.de
twitter: @hkohle
skype: hubikohle
privater zoom-raum: https://lmu-munich.zoom.us/j/4568885898?pwd=NXhaYjQ2T2dWcDNIUkpybkxaNDIxdz09
Meeting-ID: 4568885898
orcid.org/0000-0003-3162-1304
http://www.kunstgeschichte.uni-muenchen.de/personen/professoren_innen/kohle/index.html

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